Das Phänomen der Selbstüberschätzung – Overconfidence-Effekt

Glaube an dich selbst und du wirst alles schaffen. Glaube an dich und du wirst unaufhaltsam sein. Solche Sprüche kennen wir von Coaches, Psychologen, Speakern, Freunden und Familienmitgliedern. Und tatsächlich können wir alle sehr viel, aber eben doch nicht alles. Der Glaube an sich selbst, an das eigene Wissen und die eigenen Talente ist wichtig. Es ist sogar notwendig, aber manchmal schießt unsere Selbstwahrnehmung über die Grenzen hinaus und nicht selten überschätzen wir uns selbst. Das beste Beispiel hierfür ist sicher die Quizshow: Wer wird Millionär? Wie viele traurige Verlierer mussten die Show schon verlassen, weil sie sich einfach zu sicher waren?

Hochmut kommt vor dem Fall

Tatsächlich merken wir manchmal nicht, dass wir uns selbst überschätzen. Wir glauben im Job das Beste zu geben. Wir denken, dass wir wunderbare und leidenschaftliche Partner sind, gute Autofahrer und die Deadline halten wir natürlich auch ein. Die Wahrheit ist allerdings, dass es Studien gibt, in welchen 80 % der Autofahrer sich selbst zu den besten Autofahrern zählen und natürlich darf man sich nun die Frage stellen, warum die restlichen 20 % ausgerechnet in der eigenen Stadt leben müssen? Die Antwort ist simpel. Es handelt sich um die bekannte Hybris. Und diese kommt nicht selten vor und so ziemlich jeder Mensch ist hin und wieder davon betroffen.  

Die beiden Ökonomie-Nobelpreisträger Daniel Kahneman und Amos Tversky haben diesem Phänomen den Namen Overconfidence-Effekt gegeben.

Übermut in Chefetagen

Je mehr Erfolge wir in unserem Leben feiern dürfen, umso mehr Selbstvertrauen bekommen wir. Doch mehr Selbstvertrauen birgt auch die Gefahr in sich, dass wir uns selbst überschätzen. 

Besonders gefährlich wird dies, wenn die vermeintlichen Erfolge nicht mal unsere eigenen sind. Dann treffen wir gerne schnell Entscheidungen, die absolut nicht Erfolgs-bringend sind und wundern uns. 

Diesen fatalen Fehler begehen gerade Manager und CEOs gerne. Die Chefetagen sind ein Brutkasten für Hybris und gefährliche Selbstüberschätzung. 

Der israelisch-US-amerikanische Psychologe und Alfred-Nobel-Gedächtnispreisträger für Wirtschaftswissenschaften Daniel Kahnemann ist der Ansicht, dass dies daran liegt, dass Manager häufig Projekte absegnen und bejahen, ohne zuvor selbstkritisch über die Erfolgswahrscheinlichkeiten nachzudenken. 

Aber wieso ist das so?

Eine Studie von Mathew Hayward und Donald Hambrick aus dem Jahre 1997 fasst es zusammen: Läuft in einem Unternehmen oder einer Firma alles gut, so führt der CEO dies gerne auf seine eigene Leistung zurück, auch dann, wenn er mit der Leistung rein gar nichts zu tun hatte. Die Selbstüberschätzung liegt klar auf der Hand. 

Aber auch unsere Kollegen und engsten Freunden sind nicht sicher vor diesem Phänomen und so ziemlich jeder hat diese eine Person in seinem Umfeld, die sich selbst bei absoluter Unwissenheit stets für allwissend hält. 

Doch was wir bei anderen Menschen meistens sofort erkennen, fällt uns bei uns selbst manchmal nicht so leicht.

Overconfidence-Effekt- wie kann man sich schützen

Es ist nicht ratsam, dem eigenen Chef zu sagen, dass er sich ohne seine Mitarbeiter seinen neuen Sportwagen nicht hätte leisten können. Wahrscheinlich ist sogar, dass er es nicht glauben würde, seinen Sportwagen behalten würde, aber die Firma dann auf der Suche nach einem neuen Mitarbeiter wäre. Auch diese eine Person aus unserem Umfeld wird weiter ihr Geld in Aktien investieren und sich für einen Kenner und Profi halten. Da nützt es auch nichts, den Ökonomie-Professor Burton Malkiel zu zitieren, der 1973 die These aufstellte, dass es effektiver sei, einem Affen die Augen zu verbinden und ihn mit Dartpfeilen auf Aktientitel werfen zu lassen und dann auf diese Werte zu setzen als einem Investmentbanker zu vertrauen. 

Doch wenn man schon sein Umfeld nicht ändern kann, so kann man doch bei sich beginnen. Hierbei kann man drei nützliche Tipps befolgen:

1. Rat von Fachleuten einholen

Bevor man eine wichtige Entscheidung trifft, lohnt es sich zunächst darüber nachzudenken. Manchmal ist es ratsam, sich Hilfe bei einer Entscheidung einzuholen. Es muss auch nicht zwangsläufig ein Affe mit verbundenen Augen sein.

2. Andere Ansichten wahrnehmen

Andersdenkende liegen nicht immer falsch. Sie denken nur anders. Eine andere Meinung oder sogar Kritik kann auch hilfreich sein, denn es ermöglicht eine andere Sichtweise auf die Dinge.

3. Loslassen

Niemand kann alles und weiß alles und das muss auch nicht sein. Das beste Beispiel dafür zeigt eine US-amerikanische Studie, in welcher Probanden Bilder gezeigt wurden, die sie beschreiben sollten, die allerdings keinerlei Muster oder Zusammenhänge hatten. Die Probanden sahen dennoch ein klares Muster in den Bildern.

Fazit

Ein wenig Bescheidenheit kann dabei helfen, bessere Entscheidungen zu treffen. Und es macht das Leben entspannter, denn ständig recht haben zu wollen, sich stets zeigen und profilieren zu müssen, strengt an. Fehler sind erlaubt, dürfen gemacht werden und man darf sogar zu ihnen stehen. Und wenn man diese eine Person im Umfeld wieder sieht, so darf man ruhig an einen Affen mit verbundenen Augen denken, der Dartpfeile wirft.

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