14. Dezember 2012 – 8:20
Philosopie über das Foto: Ist es Tot?
Das manipulierte Bild auf der Titelseite
Ein Bild ist die Imagination dessen, der es geschaffen hat. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Für einen Text gilt das Gleiche, nur war der Text nie mit der metaphysischen Idee der „Objektivität“ aufgeladen: Man akzeptierte immer schon, daß der Text die Weltsicht des Betrachters ausdrückte. Dem Bild hingegen, zumal als es von der Stufe der hohen und reinen Kunst der Malerei in die „Niedrungen“ des Kunsthandwerks herabsank (id est: Photographie und Film) wurde fälschlicherweise immer mehr der Charakter einer „Technik“ zugeschrieben: Im Apparat entsteht das Bild durch die Wahl von Film, Blende, Zeit und Ausschnitt, mithin eine Technik, die jedem offensteht (weil sie billig wurde) und die jeder erlernen kann. Das mechanische Bild schuf die egalitäre Idee der Objektivität: Jeder kann photographieren, auch richtiges Photographieren kann man lernen und v.a. das dictum: Es gibt ein „Richtig“ in der Abbildung, den nüchternen Realismus. Die Heroisierung des Pressephotographen á la Capa, der mit dem dokumentarischen Blick und „unbestechlichen“ Auge seine Zeit und ihre Ereignisse festhält, war nur eine logische Folge, deren Nachwehen sich heute noch in der Verleihung des Erich-Salomon-Preises manifestieren.