Familie

Die Rolle der Familie im Wandel der Zeit

Für die Generation unserer Großeltern spielte die Familie noch eine völlig andere Rolle als für die jüngere Generation von heute. Hier deutet sich ein tiefgreifender sozialer Wandel an.
Die Normalfamilie, eine verwandtschaftlich miteinander verbundene Gruppe von Menschen, findet man heute immer weniger vor. Bereits vor 30 bis 40 Jahren zeichnete sich ein Trend hin zu anderen Lebenformen zum Nachteil der Normalfamilie ab. Dazu gehört eine stetig sinkende Geburtenrate, die zeitliche Herauszögerung der Familiengründung, die rückläufige Heiratswilligkeit und die Erhöhung der Scheidungsrate. Mittlerweile beträgt die Geburtenrate in Deutschland nur noch 1,4 Kinder pro Frau, 40% der jungen Generation beabsichtigen gar nicht erst zu heiraten und die Scheidungsrate liegt mittlerweile ebenfalls bei rund 40%. Es ist offensichtlich, dass sich das Verhältnis der konventionellen Normalfamilie zugunsten anderer pluralistischer Lebens- und Beziehungsformen verschoben hat. In den westlichen Industrieländern ist weitgehend der gleiche Trend zu beobachten. Es gibt mehr Single-Haushalte und Kinderlose; Familien, die nach der Scheidung aus einem Elternteil mit Kind/Kindern bestehen; nichteheliche Lebensgemeinschaften und sogenannte Patchwork-Familien mit unterschiedlicher verwandtschaftlicher Zugehörigkeit. Es ist nicht zu übersehen, dass die traditionelle Familie einem tiefgreifenden Strukturwandel unterworfen ist. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Familie im Zerfall begriffen ist, sondern dass der Familie eine andere Bedeutung als früher zukommt.
Während die Familie früher eine Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft war, in welcher der Mann für die finanzielle Versorgung der Familie zuständig war, sind heute viele Frauen wirtschaftlich selbständig und durch eigene Erwerbstätigkeit finanziell unabhängig. So fällt die Entscheidung, sich vom Partner zu trennen, leichter als früher, als die Frau wirtschaftlich vom Partner abhängig war. Auch wird der Zeitpunkt der Familiengründung lange aufgeschoben. Dies ist u.a. darauf zurückzuführen, dass sich Frauen und Männer zunächst erst einmal im Beruf profilieren möchten, bevor sie eine Familie gründen. Die ebenfalls veränderten marktwirtschaftlichen Bedingungen begünstigen die Entscheidung für eine späte Familiengründung. Die Ein-Kind-Familie ist im Zunehmen begriffen, was auf verschiedene Faktoren zurückzuführen ist. Ein Faktor ist dabei die schwierige Arbeitsmarktsituation, der Spagat, Berufstätigkeit und Kindererziehung unter einen Hut zu bringen, ein anderer Faktor sind fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten und nicht zuletzt spielen auch die finanziellen Voraussetzungen eine Rolle bei der Entscheidung, wieviele Kinder eine Familie haben wird.
Die Normalfamilie von früher, bei der nicht selten drei bis vier Generationen unter einem Dach wohnten und sich gegenseitig halfen, ist heute die absolute Ausnahme. Während sich früher die Großeltern in der Betreuung der Enkel engagierten, wohnen Kinder und Enkel heute arbeitsbedingt an anderen Orten. Auch der finanzielle Zusammenhalt und die soziale Absicherung der jüngeren für die ältere Generation ist nicht mehr notwendig, da heute die sozialen Sicherungssysteme des Staates für die Versorgung der älteren Generation zuständig sind.
Die familiären Bande und der Familienzusammenhalt werden in Deutschland und anderen westlichen Industrieländern schwächer. Die Familie unterliegt einem grundlegenden Bedeutungswandel unter veränderten Rahmenbedingungen. Sicher ist, dass sich dieser Trend weiter fortsetzen wird. Dieser Trend ist jedoch weltweit nicht gleich stark ausgeprägt. Die traditionell starke Familienverbundenheit in Lateinamerika oder Afrika besteht nach wie vor fort. Fakt ist, dass der Familienzusammenhalt umso stärker ausgeprägt ist, je schlechter die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den einzelnen Ländern sind.
Die Zukunft wird zeigen, ob sich die Familien in Deutschland weiter vom traditionellen Familienbild entfernen werden oder ob es eine Rückbesinnung auf das Lebensmodell Familie geben wird.

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